Vereinschronik

Die Gründung des Vereins

Die Jahre vor der Jahrhundertwende war eine mühsame Zeit für die Einwohner von Wiesental. Kriege, Hungersnöte, Epidemien und damit verbundene Armut schwächten immer wieder die Aufbruchstimmung der Bevölkerung.Trotz vieler Rückschläge hatte Wiesental jedoch am Ende des 19.Jahrhunderts die stattliche Zahl von ca. 3300 Einwohnern. Zu den Einnahmequellen aus Ackerbau und Viehzucht kamen nun verstärkt die Beschäftigung in den Zigarrenfabriken, der Zuckerfabrik in Waghäusel und Gewerbe- und Handwerksbetriebe hinzu.

Diese Zeit des Aufbruchs, nicht nur in Wiesental, sondern im ganzen Lande, war auch die Zeit vieler Vereinsgründungen. Zwei Vereine, nämlich die Freiwillige Feuerwehr und den Gesangverein Sängerbund gab es schon. Nun sollte also als dritter Verein ein Turnverein hinzukommen. Zur Gründung des Turnvereins steht im noch vorhandenen Gründungsprotokoll:

Am 5.Juni 1898 nachmittags 15.30 Uhr fanden sich im Gasthaus zum Hirsch einige sportfreudige Männer zusammen, die sich entschlossen hatten, in Wiesental einen Turnverein zu gründen. Eugen Becker eröffnete die Versammlung, zu der auch der Vorstand des TV Forst namens Oestreicher eingeladen war.
Nach Begrüßung der Versammelten durch Eugen Becker hielt Vorstand Oestreicher vom TV Forst ein Referat über Sinn und Zweck des Vereins. Daran anschließend erfolgte die Vorstandswahl, die sich wie folgt zusammensetzte.

1. Vorsitzender Karl Regelmann
2. Vorsitzender Heinrich Wagenhan
1. Turnwart Eugen Becker
2. Turnwart Otto Vogel
Schriftführer Julius Heißler
Kassier Karl Hubbuch
Vereinsdiener Anton Zepp
Gerätewart Rochus Maier

Im Anschluß an die Wahlen richtete der Vorstand des TV Forst Oestreicher den Appell an alle Anwesenden, fest und treu zusammenzuhalten. Es sei Aufgabe des neugegründeten Turnvereins, die Sittlichkeit zu fördern, Turnen und Gesang, Körper und Geist zu kräftigen und die Ausbildung des Turnwesens im deutschen Vaterland nach Kräften fördern zu suchen. Soweit der Auszug aus dem Gründungsprotokoll.
 

Gründungsdokumente

Die Anfangsjahre

Natürlich gestalteten sich die Anfangsjahre schwierig. Es gab weder eine Halle noch ein Sportgelände, noch sonstige Übungsmöglichkeiten. Es fehlte an Geräten und sicherlich auch am Geld.

Selbst die Genehmigung des Vereins durch die Gemeinde verlief nicht reibungslos. Erst ein Entscheid der Kreisverwaltung machte der Gemeinde zur Auflage, den Turnverein im vollen Umfange anzuerkennen und darüber hinaus denselben finanziell und geistig zu unterstützen.

Mit der Einfahrt des Gasthauses "Zum Löwen" hatte man schnell einen Übungsplatz gefunden. Keiner wußte jedoch, wie eine Übungsstunde ablaufen soll, sodaß auch hier wieder zwei Turner aus Forst einsprangen und die Übungsstunden leiteten. Sie kamen jeden Sonntag zu Fuß nach Wiesental. Erst als sich Turnwart Becker die nötigen Kenntnisse angeeignet hatte, hielt dieser die Übungsstunden selbst ab. Nach einigen Jahren konnten auch die ersten Turngeräte angeschafft werden. Sie wurden zum größten Teil aus eigenen Mitteln der Turner selbst finanziert. Trotz aller Schwierigkeiten wuchs die Zahl der Mitglieder ständig und erste Erfolge stellten sich auch ein. Diese sind leider noch nicht namentlich erwähnt.

Ein schwerer Rückschlag des noch jungen Vereins war der erste Weltkrieg von 1914-1918. In dieser Zeit lag beim Turnverein alles brach. Die Verantwortlichen des Vereins mußten in den Krieg ziehen. Schmerzlich jedoch war der Verlust einiger im Feld zurückgebliebenen hoffnungsvollen Turner. Trotz aller Rückschläge fanden sich einige Getreue bereits am 2. Februar 1919 zur ersten Versammlung nach dem Kriege zusammen.
 

Die zwanziger und dreißiger Jahre

Die nun anbrechenden zwanziger und dreißiger Jahre waren sehr erfolgreiche Jahre vor Ausbruch des 2.Weltkrieges. Der erste Höhepunkt war das erfolgreich durchgeführte Kreisturnfest in Wiesental im Jahre 192o. Auch das noch heute auf hohem Niveau betriebene Faustballspiel wird im Jahre 192o erstmals erwähnt.Im Jahre 1921 erhielt der Verein nach langwierigen Verhandlungen mit der Gemeinde ein eigenes Sportgelände (hinter dem ehemaligen Platz des FV 1912) Bereits im Jahre 1924 jedoch übersiedelte der Verein in seine neue Sportstätte, dem heutigen Trainingsplatz beim Schützenhaus.

Beim 25 jährigen Jubiläum im Jahre 1923 verzeichnete der Verein bereits über 2oo Mitglieder. Wenn auch noch keine größeren sportlichen Erfolge verzeichnet werden konnten,so wurde damals schon eine große Breitenarbeit betrieben. Ausflüge und Wanderungen waren Ausdruck einer großen Gemeinschaft. Eine Thatergruppe des Vereins führte jährlich zwei Theaterstücke auf mit großem Erfolg. Selbst eine Musikabteilung hatte sich gebildet, die sich allerdings später trennte und einen eigenen Verein gründete, das heutige Handharmonikaorchester HFW 1936.

Die Breitenarbeit setzte sich fort mit der Gründung einer Handballabteilung im Jahre 1928, sowie einer Damenturnriege. Die Handballabteilung stand unter der Leitung von Otto Schweikert, die Damenriege betreute Frl. Wickert.

Im gleichen Jahr, am 17. Januar 1928 konnte der Verein sein erstes Sporthaus einweihen. Dieses kleine Sporthaus diente über Jahrzehnte hinweg dem Verein als Umkleideraum, einige Jahre sogar als Clubraum und Wirtschaftsbetrieb. Mittlerweile ist dieses erste Sporthaus abgerissen.
 

Mit der zuvor erwähnten großen Breitenarbeit stellten sich nun auch die ersten sportlichen Erfolge ein. So konnte am 1o.Juli 1928 bei einem Turnfest in der Altersstufe Simon Schweikert den 1.Sieg erringen.Im September 1928 fand das 3o-jährige Jubiläum des Vereins statt, verbunden mit einem großen Schauturnen auf dem Sportplatz.Zum ersten Male hatte die Damenriege im Jahre 1929, nun unter der Leitung von Alfred Schmidt, bei den Gau-Einzelkämpfen große Erfolge zu verzeichnen. So gelang es 8 Mädchen, Siegerkränze zu erringen und darüberhinaus mit der geringsten Turnerinnenzahl den 1.Vereinspreis.

Leichtathletik war für die Turner ein wichtiger Ausgleichssport. Leichtathletische Disziplinen mußte ein Turner erbringen bei Mehrkampfmeisterschaften. Er stellte so seine Vielseitigkeit unter Beweis. Es wundert daher nicht, daß gerade diese beiden Sportarten in den 2oer und 3oer Jahren die herausragenden Sportarten schlechthin waren. So ist es nicht verwunderlich, daß auch in der Leichtathletik die ersten großen Erfolge eintraten.
Unter dem Leitspruch „Ehre, wem Ehre gebührt“ feierte am 28. April 1931 der Turnverein und die ganze Gemeinde den Meisterläufer, Gauklassenmeister Alois Wirth, der an den Deutschen Waldlaufmeisterschaften in Hannover teilnahm. Er belegte unter 142 Teilnehmern einen ehrenvollen 26. Platz.

Ferner wurde Alois Wirth Kreiswaldlaufmeister des Kreises Karlsruhe, sowie bei den Badischen Meisterschaften in Heidelberg 1.Sieger. Auch nahm er an den Süddeutschen Meisterschaften in Nürnberg und an den Deutschen Langstreckenmeisterschaften in Berlin teil. Den größten Erfolg errang Alois Wirth beim Deutschen Turnfest in Stuttgart vom 23. bis 3o. Juli 1933. Er wurde im 15 km Langlauf 1.Sieger und damit Deutscher Meister mit ungefähr 6o m Vorsprung und in der Zeit von 53 Minuten. Beim Passieren des Marathontores jubelten ihm über 5o.ooo Zuschauer zu.
 

Reihe von links: Ewald Seider, Walter Vogel, Otto Wermuth, Walter Heitzler, Helmut Schuhmacher, Heinrich Heger, Eduard Brenner, Karl Schuhmacher, Ludwig Gentner, Karl Heißler, Josef Schweikert
3. Reihe stehend von links: Karl Schmitt, Adam Arnold, Alois Wirth, Josef Huppuch
3. Reihe sitzend von links: Erhard Mahl, Otto Schweikert, Simon Schweikert, Emil Rolli, Otto Woll, Bastian Zimmermann
2. Reihe sitzend von links: Peter Fuchs, Otto Schweikert, Adam Herzog, Helmut Schweikert, Leonhard Stork, Ludwig Amann
liegend von links: Erich Schweikert, Leonhard Weber
 

Am 4. September 1938 fanden erstmals die Gemeindemeisterschaften der Leichtathletik statt, verbunden mit einem Staffellauf quer durch Wiesental. Dem Turnverein gelang es den Staffellauf zu gewinnen und damit den Wanderschild der Gemeinde zu erringen. Außerdem errang Walter Vogel nicht weniger als 8 Einzelsiege. Im Jahre 1939 konnte dieser Erfolg wiederholt werden.

Die Turner besuchten in dieser Zeit zahlreiche Sportfeste und errangen hierbei immer wieder schöne Erfolge. So wurden beim Bad.Sportfest in Mannheim im Jahre 1939 Otto Schweikert, Erhard Mahl, Simon Schweikert und Walter Vogel Kranzsieger.

Bild links: die Gewinner des ersten Ortslaufes 1938
Adam Arnold, Karl Schmitt, Alois Wirth, Josef Huppuch

Die Vierziger und Fünfziger Jahre

Diese einzigartige Erfolgsserie unserer Leichtathleten und Turner in den 3oer Jahren erfuhr eine jähe Unterbrechung durch den Ausbruch des 2.Weltkrieges im Jahre 1939. Bald mußte der damalige Vorstand des Vereins Alois Wirth ins Feld ziehen und so übertrug er dieses Amt Erhard Mahl, der dieses mit viel Geschick bis nach dem Kriege leitete. Seiner Initiative ist es zu verdanken, daß auch während des Krieges der Sportbetrieb nicht total zum Erliegen kam. Erhard Mahl kümmerte sich vor allem um die Jugend, die eifrig trainierte. So wude im Jahre 1944 in Offenburg eine Schülerriege mit Helmut Heger, Johann Heger, Kullmann und Ernst Maier 3. Badischer Meister im Schülerturnen.

Sehr stark war während des Krieges die Handballabteilung. Es standen vier komplette Mannschften zur Verfügung, deren Können sich immer mehr steigerte. Ein ordentlicher Spielbetrieb fand zwar nicht mehr statt. Aber bei einem Hallenturnier in Karlsruhe im Jahre 1944 konnte eine Mannschaft des Vereins 1. Sieger werden.

 

hintere Reihe von links:
Trainer Reinhold Wittemann, Johann Heger, Reinhold Rolli, Helmut Mail, Rudolf Zimmermann
mittlere Reihe von links:
Kurt Seibert, Helmut Heger, Wilfried Römer
untere Reihe von links:
Reinhold Zimmerer,Artur Käpplein, Linus Mahl
 

Endlich war das Ende des schrecklichen Krieges gekommen, der soviel Leid über unser Volk gebracht hat. Viele hoffnungsvolle Sportler kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Die Zerstörung und Verwüstung der Städte und Dörfer saß tief in einer verunsicherten Bevölkerung. Auch Wiesental blieb nicht verschont von den Folgen des Krieges, was in einschlägigen Geschichtsbüchern im einzelnen nachzulesen ist.

Trotzdem war es der Sport, der die ersten hoffnungsvollen Akzente setzte. Die Menschen suchten wieder die Gemeinschaft im Verein. Vielleicht auch deswegen, um das persönliche Leid, das über viele Familien hereingebrochen war, für einige Stunden zu vergessen.

So nahmen bereits im Jahre 1946 der Sportkreis Bruchsal und der Fußballkreis Bruchsal ihre Arbeit wieder auf, damals noch mit Erlaubnis der amerikanischen Behörden.

Auch beim Turnverein Wiesental wurde der Sportbetrieb wieder aktiviert, obwohl er nie ganz zum Erliegen gekommen war. Ein entscheidendes Jahr für die Zukunft des Vereins war das Jahr 1948. Neben den bisherigen Abteilungen Turnen und Leichtathletik wurden eine Fußball- und eine Tischtennisabteilung gegründet. Das Feldhandballspiel wurde eingestellt, da es keinen Zuspruch mehr fand. Fußball wurde die Sportart, die einen riesigen Zuspruch erfuhr und immer mehr Freunde gewann. So wurde in dieser Zeit auf Grund der vielen Sparten des Vereins der Vereinsname geändert in Turn-und Sportverein 1898 e.V.

Das 5o-jährige Jubiläum im Jahre 1948 wurde noch in bescheidenem Rahmen gefeiert. Der sportliche Aufstieg war jedoch unverkennbar, zumal sich die Abteilungen Fußball und Tischtennis gut entwickelten.

Im Jahre 1953/54 wurde beim Sportplatz eine Turnhalle gebaut, die vor allem dem Trainingsbetrieb dienen sollte. Der Initiative des damaligen Vorstandes Eduard Seiberth ist es zu verdanken, daß dieses Projekt zustande kam. Es waren hauptsächlich die äteren Turnmitglieder, meist schon Ehrenmitglieder, die diese Halle in Eigenarbeit erstellt haben. Die Einweihung dieser Halle im Jahre 1954 war für den Verein ein großes Ereignis. Wenn man bedenkt, daß der Mitgliedsbeitrag bei DM -.5o im Monat stand. Die Finanzierung dieser Halle erfolgte durch Spenden der Firmen und Mitglieder. Die Gemeinde stellte das Bauholz im Werte von ca. DM 2ooo.-- zur Verfügung. Die Gesamtkosten betrugen ca. DM 8ooo.--. Die Halle war die ganze Woche über belegt durch den Übungsbetrieb der Tischtennis- und Turnabteilung; im Winter teilweise auch durch die Fußballjugend.
 

2. Reihe stehend von links: 1.,2.,3.,4,.5.
1. Reihe sitzend von links: 1., 2., 3., 4.

Reihe stehend von links: 1., 2., 3., 4., 5., 6., 7., 8., 9.
1. Reihe sitzend von links: 1., 2., 3., 4., 5., 6., 7., 8.

 

Die Turnabteilung erhielt nach dem Kriege einen ungemeinen Aufschwung. Neben einer großen Anzahl von Kindern und Jugendlichen waren es vor allem die Kunstturner, die große Erfolge verbuchen konnten.

So gelang es, fünfmal den Titel eines Mannschaftskreismeisters nach Wiesental zu holen. Seit 195o teilten sich die Gebr.Heger in den Titel eines Kreismeisters mit einer Ausnahme im Jahre 1953. Helmut Heger wurde im Jahre 1949 3.Bad.Meister in der Meisterklasse in Karlsruhe. Diesen Erfolg konnte er im Jahre 1951 in Offenburg wiederholen. Im Jahre 1954 konnte er sogar 2.Badischer Meister in Freiburg werden.

Im Jahr 1957 beim Kreisturnfest in Langenbrücken gelang es der Mannschafts des TSV Wiesental fünf Meistertitel zu erringen. So wurde Johann Heger und Rudolf Heger mit der gleichen Punktzahl Kreismeister. Ewald Heger wurde Jugendkreismeister im Zehnkampf und Heini Zimmermann Jugendkreismeister im Sechskampf.

Bei den Gesamtbadischen Meisterschaften in Eggenstein im Jahre 1957 wurde Johann Heger 2.Sieger in der allgemeinen Klasse. Rudolf Heger wurde 5. Und Willi Zimmermann 6. in der Juniorenklasse.

Den größten Erfolg konnte Johann Heger beim Landesturnfest in Mannheim im Jahre 1957 für sich buchen. Er wurde in der Meisterklasse im Zehnkampf 1.Sieger. Weiter plazierten sich Rudolf Heger bei den Junioren im Zehnkampf an 3.Stelle. Ewald Heger wurde 5.Sieger in der A-Jugend im Sechskampf. Willi Zimmermann errang bei den Junioren im Zehnkampf einen 6. Platz. Reinhold Heger wurde 12. im Olympischen Zwölfkampf.
 

Auch das Fußballspiel gewann nach dem Kriege immer mehr Freunde und entwickelte sich zum größten Volkssport. Dieser Trend war auch beim TSV zu spüren und die Abteilung entwickelte sich schnell. In den ersten Jahren spielte die 1. Mannschaft in der B-Klasse. Auch die Fussballjugend entwickelte sich allmählich und schnell konnte eine A-,B- und C-Jugend gestellt werden. 1956 gelang der B-Jugend die Staffelmeisterschaft und Jugendleiter Willi Jedlitschka und Fußballabteilungsleiter Peter Dinter organisierten das 1. Pfingstfußballturnier.
 

Fussballmannschaften in den 50-ern

Die Tischtennisler des TSV gehörten in den 50er- Jahren zu den führenden Kreisvereinen. Nach kurzer Auflösung der Abteilung im Jahre 1953 konnte schon 1955 wieder eine Tischtennis-Mannschaft gestellt werden. In der darauffolgenden Zeit holten sich Josef Brecht, Emil Wermuth, Klaus Gabrysch, Manfred Moser und Rolf Mayer weitere Kreismeistertitel.